Pflegeformen

§ 33 SGB VIII

(1) „Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege soll entsprechend dem Alter und dem Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen und seinen persönlichen Bindungen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie Kindern und Jugendlichen in einer anderen Familie eine zeitlich befristete Erziehungshilfe oder eine auf Dauer angelegte Lebensform bieten. (2) Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche sind geeignete Formen der Familienpflege zu schaffen und auszubauen.“

Bereits die gesetzliche Grundlage verdeutlicht, dass die Vollzeitpflege sowohl als zeitlich befristete als auch auf Dauer angelegte Familienpflege angeboten werden soll. Für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche soll es besondere Formen der Familienpflege geben.

Der Katholische Sozialdienst e. V. stellt seit Mai 2010 als Träger im System „Westfälische Pflegefamilien“ zusätzlich diese besondere Form der Familienpflege zur Verfügung.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick darüber, wie unterschiedliche Formen von Pflegefamilien beim KSD aussehen können. Außer den dargestellten Beispielen gibt es noch viele andere, ebenso gibt es speziellere Formen von Pflegefamilien, die wir unter der Überschrift „Familienprojekte“ zusammenfassen und die ein ganz spezielles Angebot für ein ganz spezielles Kind darstellen. Sollten Sie genauere Informationen benötigen oder Fragen auftauchen, so rufen Sie uns an und vereinbaren einen Termin für ein unverbindliches Informationsgespräch.

Dauerpflege

Melanie (alle folgenden Namen sind fiktiv) ist drei Jahre alt und lebt seit gut einem Jahr auf Dauer in einer Pflegefamilie. Melanies Mutter ist sehr jung und war mit ihren zwei Kindern deutlich überfordert. Melanies Schwester Stefanie ist zwei Jahre alt und lebt in einer anderen Pflegefamilie. Melanie ist in ihrer neuen Familie inzwischen gut angekommen, die Pflegeeltern sind für sie Mama und Papa. Ihre leibliche Mutter sieht sie alle drei Monate zu einem begleiteten Besuchskontakt im KSD. Auch die Geschwister haben regelmäßig Kontakt.

Sandra ist 15 Jahre alt. Seit dem Tod ihrer Mutter lebt sie in einer Dauerpflegestelle. Ihr Vater ist inhaftiert, ihre Mutter war seit Jahren alkoholkrank und stand nicht voll zur Verfügung. In der Familie hat es schon über lange Zeit verschiedene Hilfen zur Erziehung gegeben. Sandra wünscht sich, bis zu ihrer Verselbständigung in der Pflegefamilie zu bleiben. Zu ihrem Vater möchte sie keinen Kontakt.

„Westfälische Pflegefamilie“

Peter ist sieben Jahre alt und lebt seit einem halben Jahr in einer Westfälischen Pflegefamilie. Für Peter wurden Pflegeeltern gesucht, die mit seiner extremen Unruhe und seinem impulsiven Verhalten umgehen können. Peter ist in den ersten beiden Jahren alleine mit seiner Mutter aufgewachsen, seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Frau S. lernte einen neuen Mann kennen, der sofort in ihren Haushalt einzog. Als Peter drei Jahre alt wurde, ist Peters Schwester Julia geboren. Peters Mutter ist mit der Erziehung beider Kinder stark überfordert. Vor Julias Vater, der besonders Peter ignoriert, ihn missachtet und schlägt, kann sie ihre Kinder nicht schützen…

Nach der Inobhutnahme der Kinder beobachten die Erzieherinnen in Peters Wohngruppe ungewöhnliche Verhaltensweisen des Kindes. Eine ausführliche Entwicklungsdiagnostik beim Kinder- und Jugendpsychotherapeuten macht den erhöhten Bedarf an sozial-emotionaler Förderung des Kindes deutlich. Zu seiner leiblichen Mutter soll Peter begleitete Besuchskontakte haben. Auch zu Julia, die ebenfalls in einer Pflegefamilie lebt, soll Peter Kontakt haben.

Interimspflege

Toms Mutter hat sich freiwillig dafür entschieden, ihren sechsjährigen Sohn für einen befristeten Zeitraum in einer Pflegefamilie unterzubringen. Sie möchte in dem geplanten Zeitraum eine stationäre Drogentherapie machen, eine Ausbildung beenden und letztlich ihr eigenes Leben wieder „im Griff“ haben, um dann wieder selbständig mit ihrem Sohn leben zu können. Besuchskontakte zwischen Mutter und Kind finden hier sehr häufig statt, da es darum geht, die Mutter – Kind – Bindung zu erhalten. Im Unterschied zu den anderen Pflegeformen finden hier auch Kontakte in der Pflegefamilie statt, da Toms Mutter auch viel von der Pflegemutter lernen kann.

Projekte

Frau M. hat zwei Kinder im Alter von sechs und neun Jahren. Sie hat eine gute Beziehung zu ihren Kindern und hat sich über Jahre in ihrer Mutterrolle bewährt. Frau M. leidet unter einer chronischen Erkrankung, die sie immer wieder zu längeren Krankenhausaufenthalten zwingt. Für die Kinder Sven und Heike wurde eine Familie gesucht, die sie während der Krankenhausaufenthalte aufnimmt, die aber auch zwischendurch Kontakt hält. Ist Frau M. in der Klinik finden regelmäßige Besuche der Kinder bei der Mutter statt, begleitet und organisiert durch die Pflegefamilie.

Bereitschaftspflege

Max ist acht Jahre alt. Er wurde vom Jugendamt in einer krisenhaften Situation aus seiner Familie genommen. Er wurde dort nicht richtig versorgt und hat viel Gewalt erlebt. Er hat noch mehrere ältere Geschwister, die auch alle bereits in Pflegefamilien vermittelt wurden. Für die Übergangszeit zwischen der Herkunftsfamilie und der Dauerpflegefamilie wird Max in einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht. Das Verhalten von Max kann hier genau beobachtet werden, was sehr hilfreich ist, um die passende Dauerpflegefamilie zu finden.